Neuseeland bleibt an der Rugby Union Spitze – doch wie lange noch?

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Die Rugby Union Weltmeisterschaft 2019 steht ein Jahr bevor. Am 20. September steht in Pool A das Eröffnungsspiel zwischen Gastgeber Japan und Russland an. Bis dahin ist es ein weiter Weg, auf dem noch einige Testspiele warten. Während die großen Favoriten einer Weltmeisterschaft meist die gleichen sind, könnte es diesmal anders aussehen. Dennoch steht Neuseeland an der Spitze der Welt – wie lange noch?

Testspielniederlage sorgt für Aufregung bei All Blacks

In der Historie der Rugby Union Weltmeisterschaften konnten bisher gerade einmal vier Nationen über einen Triumph jubeln. Neben Rekordweltmeister Neuseeland waren dies zweimal Australien und Südafrika sowie der Titelträger von 2003, England, mit dem legendären Verbinder Jonny Wilkinson. So erstaunt es nicht wirklich, dass vor dem ersten Weltturnier außerhalb einer der großen Rugby-Nationen wieder die üblichen Verdächtigen als Favoriten genannt werden. Und doch könnte es in Japan 2019 so viel anders werden, als zuletzt bei der WM 2015 in England, wo sich die All Blacks den Titel holten. Daran Anteil haben vor allem die Leistungen Neuseelands sowie der vor drei Jahren zweitplatzierten Australier.

Noch liegt Neuseeland an der Spitze der Rangliste vor der Weltmeisterschaft, doch fast exakt ein Jahr vor dem Auftakt musste der amtierende Doppelweltmeister eine schmerzhafte Niederlage einstecken. Die All Blacks verloren erstmals seit 2009 gegen Südafrika und mussten diese Niederlage sogar auf heimischem Grund erleiden. Die Springboks gingen mit einem 34:36 aus der Höhle des Löwen heraus. Insbesondere Flügelstürmer Aphiwe Dyantyi machte in der Partie mit zwei Versuchen auf sich aufmerksam. Damit setzt er die große Tradition fort, die über Jahre vom gerade zurückgetretenen Bryan Habana geschrieben wurde. Nach sieben Jahren als amtierendem Weltmeister ist es nicht allzu schlecht, wenn die Konkurrenz sieht, dass selbst Neuseeland zu schlagen ist. Trotz aller Probleme sind die All Blacks mit einer Quote von 2,10 (Stand 21.09.) der Topfavorit auf den abermaligen Triumph in Japan. Testspielsiege gegen Australien und Frankreich unterstreichen diese Anspruchshaltung im Land des Haka.

Erzrivale zeigt große Schwächen

Ehe es für den großen Rivalen Australien im zweiten Spiel der WM im Sapporo Dome gegen Ozeanien-Gegner Fidschi losgeht, muss noch viel geschehen, um in den Kreis der Favoriten zurückzukehren. Zu schwach waren die Leistungen, die die Wallabies im abgelaufenen Jahr boten. Nicht nur die zwei heftigen Niederlagen gegen Neuseeland taten Fans wie Spielern weh. Im September setzte es nun auch noch die erste Heimniederlage gegen Argentinien seit 35 Jahren. Während die Back Row stets die Stärke der Wallabies war, gibt es ausgerechnet hier die größten Probleme. Dank der Gruppe mit Wales könnte es schon frühzeitig zu großen Sorgen kommen.
Jene Waliser werden gestärkt anreisen und mit ihrem gut funktionierenden Offensiv-Rugby von Warren Gatland attackieren. Seit 2016 ist eine klare Entwicklung auszumachen, die Wales tatsächlich in den Kreis der Favoriten führte. 2011 sprang in Neuseeland immerhin ein vierter Platz heraus, wird es diesmal mehr? Trotz des Rücktritts von Sam Warburton gibt es ausreichend Optionen für den Trainer. Im November steht das wichtigste Testspiel an, wenn es gegen Gruppengegner Australien geht, die Wales seit 13 Partien nicht mehr gewinnen ließen.

Noch wahrscheinlicher ist ein Titelgewinn Südafrikas, das nach dem großen Triumph in Frankreich 2007 einige Zeit brauchte, um zur absoluten Spitzenklasse zurückzukehren. Dies könnte nun gelungen sein, wie der Sieg gegen England zeigte. Nach einem 3:24 Rückstand innerhalb von 20 Minuten drehten die Springboks die Partie und holten sich somit einen verdienten Sieg in der Testspielserie. Auch Argentinien wurde daheim geschlagen, ehe Auswärtsniederlagen gegen die Pumas und Australien die Verantwortlichen wieder auf den Boden brachten. Die Mannschaft hat, wie gegen Neuseeland gezeigt, das Zeug für Großes und könnte mit Neuseeland nach Weltmeistertiteln gleichziehen.

Die vierte Mannschaft, der am ehesten eine gute Rolle in Japan zuzutrauen ist, sollte Irland sein. Derzeit besitzen die Iren das beste Team Europas und möchten dies bis 2019 oder darüber hinaus gerne beibehalten. Irland holte sich den viel umjubelten Grand Slam bei den Six Nations, gewann also sämtliche Spiele gegen die Konkurrenz aus England, Schottland, Wales, Frankreich und Italien. Dass im Anschluss daran noch der erste Gewinn einer Testspielserie in Australien seit 39 Jahren folgte, unterstreicht den starken Formanstieg der Iren unter Trainer Joe Schmidt während der letzten Jahre. Als Highlight vor dem WM-Pool mit Schottland und Gastgeber Japan wartet im November das Duell gegen Neuseeland. Kann auch Irland wie Südafrika seine Ambitionen gegen den größten Konkurrenten unter Beweis stellen?

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